Wann klingelt der Wecker PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Sebastian Grosch und Joel Ibrahim   
Sonntag, 21. Februar 2010 um 19:55 Uhr

Der SC Freiburg verlor am Sonntagnachmittag gegen Schlusslicht Hertha BSC mit 0:3 (0:2). Mit einer teilweise grottenschlechten Leistung verschenkten die Freiburger drei Punkte geradezu kampflos. Zehn rote Spieler boten Zweitliga-Fußball, nur einer wurde von den Fans gefeiert: Ömer Toprak. Wozu Mittelfeldspieler und Stürmer kaum bis gar nicht in der Lage waren, versuchte Toprak, schaffte dies aber natürlich nicht. Der seit Rückrundenbeginn wiedergenesene Deutsch-Türke erreichte als einziger seine Normalform. Dass das nicht reicht, um gegen den Hauptstadtklub zu gewinnen, ist klar. Wann also wacht der Rest der Mannschaft auf? – Wenn es zu spät ist?

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Es ist die 85. Spielminute. Von den Rängen der Nordtribüne schallt die Melodie von „You never walk alone“. Dies ist die Bekundung der engsten Freiburger Fans an die Mannschaft, immer treu zu sein. Eigentlich eine schöne Sache und ganz bestimmt keine selbstverständliche Geste. Doch für die Spielsituation im Dreisamstadion aus Freiburger Sicht kein gutes Zeichen. Auch heute nicht. Zu jener Situation kurz vor Ende der Partie steht es 0:3 für die Gäste aus Berlin und das im Entscheidungsspiel über den Verlauf des Abstiegskampfs. Keine guten Voraussetzungen also. Dabei fing das Match vielversprechend an. Der SC begann druckvoll, vielleicht auch dank überraschender Startfomation. Während die Abwehr noch voraussehbar aufgestellt war (Bastians, Barth, Toprak, Williams), überraschte Dutt sowohl im Mittelfeld als auch im Sturm mit einschneidenden Veränderungen im Vergleich zum Duell gegen die Eintracht vergangene Woche. Auf der Doppelsechs bekamen Banovic und Flum den Vorzug, die Flügelzange besetzten Cedric Makiadi und Hamed Namouchi. Damit wollte Dutt wohl für Unberechenbarkeit sorgen. Auch in den Spitzen wird der ein oder andere gestaunt haben, als Mo Idrissou plötzlich auf der Bank saß. Für ihn lief Stafan Reisinger auf. Der Wechsel schien zunächst für frischen Wind zu sorgen. Die ersten Minuten dominierten unsere Jungs klar, konnten sich jedoch keine zwingenden Chancen herausspielen. Für Aufregung sorgte indes Theofanis Gekas, der nach 14 Minuten erstmals einen gefährlichen Schuss aufs Tor brachte. In der folgenden Zeit wechselten sich beide Teams ab, Angriffe wurden schnell vorgetragen, wirkliche Höhepunkte fehlten jedoch weiterhin. Man merkte vor allem den Gastgebern den gewaltigen Druck an, der auf dem Spiel lastete. Viele Abspielfehler in der Vorwärtsbewegung verhinderten echte Abschlüsse und damit ernste Torgefahr. Die Berliner taten sich diesbezüglich weniger schwer. Zwar gestalteten sie das Spiel nicht mit, waren aber trotzdem hellwach und wussten individuelle Fehler auszunutzen. Selbige wurden dann auch nach knapp einer halben Stunde bestraft, als nach einem katastrophalen Fehlpass Makiadis die Gäste das Spiel schnell machten, Raffael mit einem scharfen Schuss an Pouplin scheiterte, der ihn aber nur abwehren konnte und Ramos schließlich zur Führung einschieben konnte (28.). Makiadi hier jedoch den Schwarzen Peter zuzuschieben wäre ungerecht, die Abwehr patzte mindestens ebenso schwer, als sie den brandgefährlichen Ramos einfach ungedeckt mitlaufen ließen. Der plötzliche Rückstand verunsicherte unsere Mannen merklich, in der Folge war spielerisch nicht mehr viel zu sehen, lange Bälle dominierten das Geschehen, die jedoch ohne den ausgemusterten Idrissou wenig Wirkung zeigten. Dennoch kam über den tüchtigen Reisinger beinahe noch der Ausgleich zustande. Als dieser mit einem pfiffigen den bislang fehlerlosen Hubnik aussteigen ließ und aus zehn Metern abzog, verhinderten nur noch Drobnys Fingerspitzen das 1:1. Dennoch waren es wieder Hauptstädter, die durch Cicero (35.) das 0:2 besorgten. Durch das Stadion hallten „Wir wolln euch kämpfen sehn“-Gesänge. Gebracht hat es wenig. Nach 45 Minuten eilte ein stocksauerer Robin Dutt in die Kabine. Die Hoffnung auf ein Unentschieden war trotzdem spürbar. Nach der Pause kamen Caligiuri und Jäger für Cissé und Makiadi ins Spiel. Und das begann wiederum vielversprechend. Plötzlich spielte der SC nach vorn und war nicht weit entfernt vom Anschlusstreffer. Doch wieder Fehlanzeige. Cicero versenkte nach 57 gespielten Minuten mit einem trockenen Flachschuss ins linke Eck zur Entscheidung. Danach lief nichts mehr zusammen und man konnte von Glück reden, dass hier nicht noch eine heftige Packung zustande kam. Berlin kombinierte nach Belieben, Freiburg schaute hinterher. Frustration von bislang unbekanntem Ausmaß machte sich auf dem Platz, auf den Tribünen und auf der Trainerbank bemerkbar. Das Spiel war gelaufen und die Stimmung ungemütlich. Nach 85 Minuten ertönte dann nach viel Stille ein „You never walk alone“ von den Rängen, die Gästefans stimmten mit ein. Nach weiteren fünf Minuten trotteten Banovic und Co. nach einer beschämenden Leistung in die Katakomben, begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert. Einen Blick auf die Tabelle erspare ich hier den schon genug gebeutelten Lesern, Frustration gab es heute schließlich zur Genüge. Nur so viel: Auswärts in Gladbach wird es nicht einfacher werden, das ist sicher. So, das unterstrich Dufner nach dem Spiel im Interview, so könne es nicht weiter gehen. Für die kommenden Partien müsse sich Dutt etwas einfallen lassen. Wenn jetzt nicht schleunigst Punkte regnen, dann riecht es förmlich nach Abstieg!
Zuletzt aktualisiert am Montag, 22. Februar 2010 um 22:15 Uhr