Entscheidungsspiel gegen die Hertha PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Sebastian Grosch   
Donnerstag, 18. Februar 2010 um 21:02 Uhr
Kommenden Sonntag gastiert die Hertha bei uns in Freiburg. Ergebnisprognosen fallen unterschiedlichst aus, die Tipps reichen vom Kantersieg bis zur Heimschlappe. Nur in einem ist man sich einig: Das wird ein extrem entscheidendes Spiel, für beide Mannschaften. Ein dreifacher Punktgewinn ist nach sieben sieglosen Spielen fast Pflicht. Das vergangene Jahr hatte Höhen und Tiefen. Alles über den Gegner des Heimspiels dieses Wochenendes lest ihr hier.

 

Die „Alte Dame“ aus Berlin hat ein kurioses Jahr hinter sich. Im Frühling vergangenen Jahres kam die Mannschaft, geführt von Luis Favre aus dem Nichts und reihte sich im Meisterschaftskampf ein. Die Truppe überzeugte mit effektivem und defensiv starkem Fußball und bald konnten sie die Tabellenspitze übernehmen. Trainer Favre wurde zum Retter und zur Zukunft des Clubs ernannt und in ganz Deutschland gefeiert. Die Euphorie kannte keine Grenzen und erst in der Schlussphase der Saison verspielte Hertha BSC die Meisterschaft, beendete die Runde jedoch mit einem überragenden dritten Platz. In der Sommerpause verließ Dieter Hoeneß (langjähriger Manager) den Verein und mit ihm gingen Leistungsträger wie Voronin, Pantelic oder Simunic. In der neuen Saison stürzte das Team total ab und fand sich nach 12 Spieltagen mit vier Punkten auf Rang 18 zurück. Folglich wurde dem noch vor wenigen Monaten zum Gott erklärten Trainer ein „zerrüttetes Verhältnis zu Mannschaft und Vereinsführung“ attestiert- er musste gehen. Nachfolger Funkel, auch bekannt als Feuerwehrmann bei abstiegsbedrohten Clubs, sollte den Karren aus dem Dreck ziehen. Leider gelang ihm das zunächst überhaupt nicht und so sprangen in den fünf Spielen bis zur Winterpause ebenfalls nur zwei Punkte heraus. Der Abstieg war so gut wie besiegelt, doch die Führungsebene wollte sich damit nicht abfinden und griff tief in die Vereinskasse. Einige Neuzugänge wie Gekas sollten den gewaltigen Rückstand auf die anderen Abstiegsanwärter wieder aufholen. Frei nach dem Motto „Nichts ist unmöglich“ kämpfen die Berliner seitdem mit zwar wenig ansehnlichem aber unterm Strich effektivem Fußball. Und siehe da, es geht doch! Mit mittlerweile elf Punkten steht der Hauptstadt-Club nicht mehr ganz so aussichtslos dar. Nun kommt für die selbst ernannten „Aufholjäger“ die entscheidende Phase. Eventuell das entscheidende Spiel. Und zwar gegen uns. Gelingt es den Champions-Leaque-Teilnehmern drei Punkte zu holen, ist wieder wirklich Hoffnung da, dort unten wieder herauszukommen. Sollten sie verlieren, sind sechs weitere Punkte weg und die Wahrscheinlichkeit, es doch noch zu packen, schwindet gewaltig. Auch für unsere Jungs kommt es auf extrem viel an. Halten wir die Herthaner unten, können wir uns vom Relegationsplatz zumindest leicht absetzen und haben einen Verein weniger hinter uns, der in absehbarer Zeit uns überholen will. Ein richtungsweisendes Match also. Auf der wöchentlichen Pressekonferenz zeigte sich Dutt optimistisch. Er leugne den Druck nicht, nun komme es jedoch auf die Mannschaft an, sich dem Druck von außen zu stellen und die Gäste zu besiegen. Dafür allerdings müsste zunächst mal ein Tor geschossen werden. Und damit tat sich unsere Elf zu Hause schwer. Das letzte Tor im Dreisamstadion für den SC fiel im Oktober gegen die Bayern. Zeit dass dieser Negativtrend endlich gestoppt wird. Dazu kommt die Alte Dame aus der Bundeshauptstadt gerade recht. Dass es allerdings zu einem Selbstläufer wie im Hinspiel wird, das bezweifelt Dutt zu recht.

Grund zu Optimismus bietet die Personalsituation. Mit Banovic kehrt einer der Protagonisten des Hinspiels im Olympiastadion zurück. Mit ihm könnte die Defensive zusätzliche Stabilität erlangen und so der Offensive der Berliner trotzen. Jedoch lässt Dutt verlauten, offensiv und zielstrebig in die Partie zu gehen. "Der Wille ist da. Die Mannschaft ist nach wie vor von sich überzeugt und erfolgshungrig." Auch Caligiuri könnte wieder in der Startformation stehen, nur Butscher wird wohl pausieren müssen. Er zog sich vor dem Spiel in Frankfurt einen Muskelfaserriss zu und konnte bislang noch nicht trainieren. An seiner Stelle könnte "Mr. Zuverlässig", Oliver Barth, in den Kader rücken. Auch ein Debüt von Hamed Namouchi will Dutt nicht ausschließen. Ebenso drängt Makiadi nach auskurierter Verletzung zurück ins Mannschaftstraining, er dürfte also gesetzt sein. Ansonsten kann man nur rätseln. Die Vereinsführung will sich nicht in die Karten schauen lassen, weder was Taktik, System oder Personalien angeht. Also steht die Aufstellung wieder einmal in den Sternen, wie so oft. Lassen wir uns überraschen. Zu Hause soll es jedenfalls wieder Punkte regnen, egal wie und mit wem. Die Hertha ist ein willkommener Gegner, ein Sieg Pflicht, alles andere wäre enttäuschend. Wenn nicht gegen das Schlusslicht, gegen wen denn dann?!

Auch die kommenden Heimspiele gegen Hannover oder Nürnberg werden nicht minder wichtig sein. Nun ist es an Dutt, endlich zu beweisen, dass an der ständig diskutierten Heimschwäche nichts dran ist. Hoffen wir, dass es unseren Spielern gelingt, drei, wenn nicht sogar sechs Punkte auf unsere Seite der Dreisam zu bringen.