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| SC-Frauentrainer Edgar Beck: "Der Klassenerhalt ist machbar!" |
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| Dienstag, 16. Februar 2010 um 12:00 Uhr |
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Woran wurde in der Winterpause gearbeitet? Welche Defizite mussten behoben werden? Wenn man unser Torverhältnis von 4:32 anschaut, dann weiß man sofort, wo die Defizite in der Hinrunde lagen. Wir hatten nicht nur eine Baustelle, sondern mehrere. Es ist natürlich eine Schwachstelle, keine Tore zu schießen, aber auch die Abwehr hat mit fast drei Gegentreffern pro Spiel nicht gerade geglänzt. Das heißt aber nicht, dass nur die Stürmerinnen und Abwehrspielerinnen Schuld an der Misere haben, sondern die gesamte Mannschaft. Zusätzlich haben wir noch drei neue Spielerinnen geholt, die sehr gut eingeschlagen haben. Schon im letzten Spiel gegen Jena haben wir uns viel mehr Torchancen herausgearbeitet, ich hoffe, dass das jetzt so weitergeht und wir hinten auch einigermaßen sicher stehen werden.
Christopher Breymann ist 28 Jahre alt, könnte selber noch Fußball spielen. Er war aber auch schon Spielertrainer (beim SV Opfingen, d. Red.) und so sind wir auf ihn gekommen. Vor allem für mich ist er sehr wichtig, da ich auch noch beruflich eingespannt bin und so einfach jemanden habe, der ebenfalls jeden Abend auf dem Trainingsplatz stehen kann. Wie wurde der SC Freiburg auf eine Kanadierin (Kelly Parker) und zwei Amerikanerin (Mele French und Michelle Wenino) aufmerksam, die bisher noch nie in Europa aktiv waren?
Wie sehr denken Sie, können die Neuzugänge der Mannschaft helfen? Die helfen ganz sicher! Das kann man jetzt schon sagen.
Es sind sechs Punkte bis zum rettenden Ufer, aber da sind ja auch noch drei andere Mannschaften mit uns ganz tief unten drin. Gerade auch mit den Neuverpflichtungen glaube ich, dass das machbar ist. Es hat sich rausgestellt, dass die Konkurrenz das Geschäft belebt, wodurch die eine oder andere wieder aufgewacht ist. Gleich die ersten drei Spiele haben es in sich, Potsdam, Frankfurt und Bad Neuenahr stehen alle drei unter den „Top Four“ der Liga. Wie wollen Sie gleich zu Anfang eine Negativserie verhindern?
Letzte Saison stand man noch auf einem sicheren Mittelfeldplatz. Wie ist der Abwärtstrend zu erklären? Ich finde man muss die letzte Saison unterteilen. Man hat eine ganz starke Vorrunde gespielt und dann schon ein relativ schwache Rückrunde. Das hat sich dann irgendwie über den Sommer hingezogen und man ist schlecht in die neue Runde gestartet. Ich bin aber der Meinung, dass die Mannschaft nicht so schlecht ist, wie es der Abwärtstrend vermuten lässt. Wir müssten nicht mit drei Punkten da unten drin stecken. Warum war ein Trainerwechsel nötig? Warum der nötig war, kann ich von meiner Seite her relativ wenig sagen. Ich gehe mal ganz vorsichtig davon aus, dass der Günther Rommel nach der Niederlagenserie, die da war, einfach Platz für neue Impulse machen wollte Wie wurden Sie denn Trainer? Ich wollte eigentlich nur bis zur Winterpause aushelfen, es war jetzt aber so, dass kein geeigneter Nachfolger zum 1. Januar gefunden wurde, und dann kam der Verein auf mich zu. Jetzt mache ich es halt noch bis 30.06. und es reizt natürlich auf mich, in der Bundesliga zu arbeiten. Auch im Herrenfußball muss der Sportclub mit begrenzten Mitteln zurechtkommen. Wie groß sind die Unterschiede bei den Frauen zu einem Verein wie FFC Frankfurt? Es ist für uns utopisch, von den finanziellen Mitteln da Vergleiche anzustellen, wenn unser Verein schon bei den Herren mit dem kleinsten Etat arbeiten muss. Auch beim Alter der Spielerinnen sieht man es ganz gut. Wir haben sehr viele Schülerinnen und Studentinnen, sobald die Spielerinnen etwas älter und erfahrener sind, können wir sie uns nicht mehr leisten. Wie sehr behindert es die professionelle Trainingsarbeit, wenn sich die Spielerinnen nicht 100%ig auf den Fußball konzentrieren können, weil sie zusätzlich studieren oder arbeiten müssen? Das funktioniert immer je nach Belastung für die einzelnen. Jetzt letztens haben zum Beispiel zwei Spielerinnen eine Klausur geschrieben und waren nicht im Training. Wir sind keine Voll-Profis, sondern berücksichtigen das. Da arbeiten wir einfach Hand in Hand, anders würde es gar nicht gehen. Was würde ein Abstieg aus der Bundesliga bedeuten? Es wäre sicher kein Untergang. Man müsste eine Mannschaft hinstellen, die die Chance hätte, in der Zweiten Liga wieder oben mitzuspielen, eine Garantie hätten wir nicht. Das wäre sicher das Ziel nicht von mir als Trainer, sondern auch von dem Verein. Ein Abstieg bedeutet natürlich auch immer einen Umbruch, es würde sicher die eine oder andere Spielerin den Verein verlassen und man müsste wieder einen neuen Kader zusammenstellen. Wer könnte gehen? Das wäre Spekulation. Meine Denkweise geht nicht dahin, was passiert, wenn wir absteigen, sondern es geht nur in eine Richtung: der Klassenerhalt? Plant der SC Freiburg zweigleisig? Im Moment nicht. Bei einem ähnlichen Start wie in der Vorrunde müsste man sich Gedanken machen, aber jetzt noch ganz bestimmt nicht. Nehmen wir an der SC erreicht das rettende Ufer, welche Teams stehen am Ende hinter den Freiburgerinnen? Och des wäre mir ganz egal, Hauptsache es stehen zwei hinter uns. Die erste Mannschaft trägt ihre Spiele im Mösle-Stadion aus. Trainiert wird aber im Schönbergstadion von BW Wiehre. Warum genau dort? Wir sind hier jetzt das zweite Jahr, haben zwei eigene Trainingsplätze, einen eigenen Kabinentrakt für den Frauen- und Mädchenfußball. Das ist einfach ideal, so gute Bedingungen hatten wir noch nie. Was bedeutet das für einen Verein wie Blau-Weiß Wiehre? Wir haben einen ganz normalen Pachtvertrag. BW Wiehre ist bei einem so großen Gelände ja auch darauf angewiesen, dass noch jemand Miete zahlt und ich denke, dass beide Parteien zufrieden sind.
Das ist natürlich eine Doppelbelastung, die Schule kommt mir netterweise entgegen und es ist ja auch zeitlich begrenzt. Auf Dauer müsste man sich aber für eine Sache entscheiden. Was macht Ihnen mehr Spaß? Fußball oder Schule? Es macht mir eigentlich beides Spaß, alles zu seiner Zeit. Es sind zwei ganz verschiedene Berufe, in denen ich mich gleichwohl fühle. Ich würde beides gerne verbinden. Letztens tauchte ganz plötzlich eine Afrikanerin in Freiburg auf. Können Sie von dieser Geschichte erzählen? Ich habe vorhin kurz erwähnt, dass wir weltweit gesucht haben, eben auch in Afrika. Ohne große Absprache mit uns hieß es dann auf einmal, da kommt jemand. Die mussten wir dann erst mal versorgen. Unglücklich war dann für das Mädel, dass wir gerade auf dem Sprung ins Trainingslager waren. Sie war gar nicht schlecht, aber auf ihrer Position hatten wir gar nicht gesucht. Wie viel Zeit bleibt Ihnen noch für Familie, Freunde oder andere Hobbies? Im Moment läuft alles was noch irgendwie geht für meine Familie, alles andere ruht im Moment. Für Freunde und Hobbys habe ich keine Zeit, außer mein Hobby Fußball. Sie waren mal Trainer in Tunesien, wie war das für Sie? Es war eine schöne Erfahrung, ich habe das eineinhalb Jahre gemacht, wir haben mit Club Sportif Sfaxien auch international gespielt. Das war eine ganz andere Welt, eine ganz andere Organisation, die Erfahrung wollte ich nicht missen. Ich bin in ganz Afrika rum gekommen, mit vielen anderen Leuten, die ganz anders denken als wir in Europa. Auch ist das alles viel heißblütiger, die haben einen ganz anderen Umgang. Wenn du gewinnst, ist alles richtig, dann bist du König, dann bist du Gott und wenn du verlierst, dann sind alle unheimlich traurig. Jeder freut sich oder leidet mit dem Team. Und das in so einem extremen Maß. Insgesamt gesehen eine schöne Zeit bei sehr freundlichen und tollen Gastgebern. Ihre Arbeit mit den SC-Frauen ist vorerst bis Saisonende begrenzt. Wie sehen die Pläne für danach aus? Mein Vertrag läuft bis zum 30.6. und danach schauen wir mal. Für konkrete Gespräche im Hinblick auf die neue Saison ist es in unserer speziellen Situation noch zu früh. Ich möchte auf jeden Fall im Verein bleiben – in welcher Position auch immer. Wir werden eine gute Lösung finden. Herr Beck, vielen Dank für das Gespräch.
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Herr Beck, sind Sie mit der Vorbereitung zufrieden?
Sie haben einen neuen Co-Trainer: Christopher Breymann. Können Sie kurz etwas über ihn sagen?
Das läuft über Berater, die jemanden anbieten, da kennen wir natürlich Leute im Hintergrund. Es war diesen Winter einfach nichts auf dem deutschen Markt. Der SC Freiburg kann nur mit ganz wenig Geld hantieren, deswegen haben wir uns dort einfach mal umgesehen, weltweit, auch in Afrika und Asien. Wir haben diese drei gefunden und sind sehr zufrieden damit. Sie kriegen eine Wohnung bezahlt, aber natürlich verdienen die bei uns nicht das große Geld. Wir können nur anbieten, hier zum Beispiel ein Sprachstudium zum machen und hobbymäßig ein bisschen Fußball zu spielen.
Sehen Sie die Mannschaft gerüstet, um in der Rückrunde den drohenden Abstieg noch abzuwenden?
Ich sehe das gerade andersrum. Das ist eine riesen Chance, sich zu bewähren. Wenn wir da gut starten, nehmen wir für die ganz ganz wichtigen Spiele viel Selbstvertrauen mit. Vor allem gegen Potsdam bin ich jetzt mal gespannt, wie gut die sind und was wir zulassen. Vielleicht können wir sie sogar ein bisschen ärgern.
Sie sind hauptberuflich Bio- und Sport-Lehrer an der Staudinger Gesamtschule. Wie lässt sich Ihre Arbeit mit dem Engagement beim SC Freiburg verbinden?